Sprache ist (k)ein Kinderspiel !

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„Sprechen lernt doch jedes Kind irgendwie“ meinte eine Mutter kürzlich in unserer Praxis. Meine Antwort: „Wenn das so wäre, würden Logopäden nicht gebraucht“. Wie Sprache tatsächlich entsteht, darüber streiten sich die Experten noch. Eine These besagt, dass ein Kind bereits mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren wird. Ob und wie gut sich diese Fähigkeit entwickelt, bestimmen viele Faktoren: Eine gesunde körperliche Entwicklung – (keine frühkindlichen Entwicklungsstörungen durch Geburtsschäden oder Erkrankungen der Mutter), die genetische Disposition - (Vererbung sprachlicher Kompetenz) und ein positiv- sprachliches Umfeld.

 

Sind alle Faktoren gegeben, lernt das Kind Sprache tatsächlich fast wie von selbst. Leider ist dieser günstigste aller Fälle eher selten und das Kind braucht Unterstützung. Fehlende sprachliche Kompetenz kann sich wie ein roter Faden durchs Leben ziehen. Ohne Sprache kein Denken! Versuchen Sie über etwas nachzudenken, ohne dabei Worte zu benutzen. Ohne Sprache kein Schriftspracherwerb. Wer nicht richtig sprechen kann, wird größte Probleme bei Diktaten oder Aufsätzen haben.

 Was können Sie als Eltern also tun?

• Seien Sie wachsam und verlassen Sie sich nicht allein auf den Kinderarzt oder die Erzieher. Der erste Schritt zur Sprache ist das gute Hören. Beobachten Sie das Hörvermögen und lassen Sie es ggf. testen.
 
• Sprachentwicklung beginnt im Mutterleib. Das Kind bildet vermehrt Verbindungen zum Hörnerv durch die Geräusche, die es jetzt wahrnimmt. Nach der Geburt bieten Sie Ihrem Baby Hörgenüsse (nicht zu laut!), Alltagsgeräusche, Musik und vor allembaden Sie Ihr Kind in Sprache! Begleiten Sie alle Aktivitäten mit und um das Kind mit Ansprache. Kommen Sie sich dabei nicht dumm vor: Sie führen keine Selbstgespräche, Sie erklären Ihrem Kind die Welt!
 
• Beispiel: „Ja, du bist ja schon wach, du bist ja schon wach. Und du lachst so schön, so schön kannst du lachen. Puh, du brauchst eine neue Windel, da ist die Windel, jetzt bekommst du eine neue Windel...“ Singsang hilft dem Kind, Sprache besser zu verstehen. Benennen Sie alles, was Sie in die Hand nehmen oder was die Aufmerksamkeit ihres Kindes erregt, ruhig mehrfach. Nur bitte kein Drill - Sprache soll beiden Spaß machen. Der Ton macht die Musik, und wie oft Sie etwas sagen, kommt natürlich auch auf Ihre Verfassung an. Bei Stress oder Wut dürfen Sie auch mal schweigen.
 
• Lesen Sie Bücher vor und sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Inhalt. Stellen Sie Fragen!

 
Ich verteufle das Fernsehen nicht. Es kann eine gute Anregung sein und Sprechanlässe bieten, aber:

 
• Sehen Sie sich ausgewählte Sendungen mit Ihrem Kind gemeinsam an. Erklären Sie das Gesehene und stellen Sie Fragen.
 
• Korrigieren Sie Ihr Kind nicht bei fehlerhafter Aussprache oder falschen Worten, etwa: „Das heißt Kanne und nicht Tanne“, sondern bestätigen Sie es durch richtige Wiederholung („Genau, das ist eine Kanne“) und korrektive Rückmeldung.
 
• Informieren Sie sich über die altersgerechten sprachlichen Entwicklungsschritte Ihres Kindes. Logopädische Praxen können Ihnen hierfür eine übersichtliche Tabelle ausdrucken.
 
• Lassen Sie sich beraten, sollten Sie bei irgendetwas unsicher sein. Auch hier lautet das Motto: lieber einmal zu viel als zu wenig gefragt!
 
Margarete Störmer
(Leitung, Sprachtherapeutisches Zentrum Bamberg SBBZ)