Sie schenken mir ihr Vertrauen

Porträt des Schulbegleiters Martin Beez
von VISIT Soziale Dienste

Martin Beez-1Kann es eigentlich etwas Besseres geben, als junge Menschen zu fördern und in ihrer Persönlichkeit zu stärken, und das gerade dann, wenn sie durch geistige oder körperliche Behinderungen in ihrem Leben auf Hilfe angewiesen sind?!

Ich finde, meine Arbeit als Schulbegleiter ist eine sehr interessante und abwechslungsreiche Herausforderung. Dabei suche ich einen Weg, dem Schüler zu helfen, seine Persönlichkeit und die in ihm steckenden Fähigkeiten zu entfalten und sein Leben so weit wie möglich selbständig zu gestalten. Hierzu brauche ich Geduld und Einfühlungsvermögen.

Wie kommt der Schüler morgens um 08.00 Uhr in die Schule? Ist er emotional angespannt oder eher ausgeglichen? Was kann ich von ihm an Leistung erwarten? Was fördert und was überfordert ihn? Das sind Fragen, die nicht immer einfach zu beantworten sind. Es gilt, ein Gespür für die Persönlichkeit des Schülers zu entwickeln und sein Vertrauen zu gewinnen. Dazu gehören Absprachen und eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern, Erziehern und Psychologen.

Meinen Schüler begleite ich von 08.00 – 16.00 Uhr in Schule und Tagesstätte. Ich unterstütze ihn beim Lernen in den verschiedenen Schulfächern, bei den seinen Fähigkeiten angemessenen praktischen Aufgaben, wie z.B. Tischdecken, Plätzchenbacken und sonstigem. Außerdem begleite ich ihn in seinen Therapiestunden.

Für uns Schulbegleiter liegen Frustration und Erfolgserlebnis oft eng beieinander. Wir haben mit unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen und Krankheitsbildern zu tun. Wie gehen wir z. B. mit der Wut eines Schülers um? Sie kann Ausdruck einer seelischen Belastung sein, also braucht diese Wut auf der einen Seite ein Ventil. Andererseits muss man dem Schüler auch Grenzen setzen, um einen möglichst ungestörten Unterricht zu ermöglichenein Balanceakt.

Immer wieder gilt es, bei Konflikten zwischen den Schülern zu vermitteln, damit sie lernen, rücksichtsvoll miteinander umzugehenBehinderte Menschen sind manchmal sehr direkt. Sie drücken schulbegleiterüberschwänglich ihre Zuneigung und auch ihre Ablehnung aus. Letzteres dürfen wir nicht persönlich nehmen.

Fast jeden Tag bekomme ich von einem Schüler etwas geschenkt, ein Bild oder etwas Gebasteltes. Und sie schenken mir ihr Vertrauen. Das empfinde ich als einen großen Reichtum. Wenn ich am Ende eines Nachmittags mithelfen konnte, dass der Schüler einen relativ ausgeglichenen Tag mit dem einen oder anderen Erfolgserlebnis haben konnte, dann bin ich zufrieden.


Schulbegleiter zu sein, ist eine schöne und erfüllende Aufgabe.

Martin Beez
(Schulbegleiter an der Dr.Bernhard-Leniger-Schule in Schönberg bei Lauf)