Interview

Beratung für Alleinerziehende

Seit Oktober 2009 betreut die Sozialpädagogin Johanna Riemann die neue Beratungsstelle für Alleinerziehende, die der Kinderschutzbund initiierte.

Gab es bisher noch keine Beratungsstelle für Alleinerziehende in Bamberg?

Es gab den „Stützpunkt" für Alleinerziehende, der aber wegen fehlender finanzieller Mittel aufgelöst werden musste. In den letzten Jahren entwickelten sich zwar einige vereinzelte Angebote für Alleinerziehende, aber keine Koordinierungs- und Vernetzungsstelle bzw. überhaupt eine konkrete Beratungsstelle für Alleinerziehende. Der Kinderschutzpunkt hat - angeregt durch den Bamberger AK für Alleinerziehende - im Oktober die Initiative ergriffen und begonnen, eine Beratungsstelle aufzubauen. Leider aus Kostengründen zunächst nur im Rahmen einer Teilzeitstelle. Trotzdem sind wir die offizielle Bamberger Kontaktstelle des Bundesverbandes für Alleinerziehende (www.vamv.de), der unsere Arbeit z.B. durch Infomaterial oder auch Fortbildungen unterstützt.

Was ist Ihr Angebot an alleinerziehende Mütter und Väter?
Ich berate, begleite und unterstütze sie z.B. auch in oder vor Trennungssituationen mit der Frage „Was kommt auf mich zu?" Das ersetzt natürlich keine rechtliche Beratung, aber wir besprechen vorab die finanziellen Konsequenzen, die gesetzliche Umgangsregelung, und ich nenne Anlaufstellen, die Unterstützung anbieten. Neben der sachlichen Information ist mir der Aspekt des Zuhörens, Einfühlens und Wertschätzens wichtig.

Welche Themen bringen die Frauen mit?
Es geht vor allem um unmittelbare Trennungssituationen, aber auch um Probleme mit den Kindern als Auswirkung der Trennung. Viel Informationsbedarf herrscht auch zum gemeinsamen Sorgerecht und ein ganz großer Bereich ist der Umgang zwischen Vätern und Kindern nach der Trennung.

Was sind dabei die Probleme?
So wie die Frauen hier berichten, kümmert sich nur etwa ein Drittel der Väter nach der Trennung gut und regelmäßig um die Kinder. Die meisten Frauen fühlen sich in der Verantwortung und der Erziehung für das Kind komplett allein gelassen. Oft höre ich, dass die Mütter den ganzen Alltag und die anstrengende Erziehungsarbeit durchkämpfen müssen, während sich die Väter z.B. weigern, an ihren Umgangswochenenden mit den Kindern Hausaufgaben zu machen. Viele beklagen sich, dass sie als Mutter zu wenig entspannte Freizeit mit ihren Kindern haben, während die Papa-Wochenenden ein buntes Unterhaltungsprogramm bieten.

Wie können Sie da weiterhelfen?
Das sind schwierige Situationen: Ich versuche die Frauen zur Kommunikation mit dem Vater zu ermutigen und neue Wege zu suchen, z.B. durch schriftliche Vereinbarungen oder auch, indem ich zu einer Mediation rate. Ich biete auch immer ein Gespräch zu dritt an, in dem wir gemeinsam versuchen, uns auf eine Umgangsvereinbarung zu einigen. Falls massive Umgangsprobleme auftreten, die sich so nicht lösen lassen, verweise ich die Frauen an das Jugendamt oder begleite sie auch dorthin, wenn sie diese Unterstützung wünschen.

Wie erleben Sie die alleinerziehenden Frauen, die zu Ihnen kommen?
Sie haben zum Teil sehr enge finanzielle Verhältnisse. Oft sind wir schon froh, wenn zumindest der Kindesunterhalt gezahlt wird. Viele wissen z.B. nicht, dass zusätzlich zum Unterhalt auch die musikalische oder sportliche Förderung der Kinder von beiden Eltern gemeinsam gezahlt werden muss. Oder – die Frauen wissen dies zwar, trauen sich aber nicht, es einzufordern, weil sie befürchten, dass der Vater dann den Unterhalt gar nicht mehr zahlt oder über den Umgang Druck ausübt. Interessant ist, dass so gut wie alle Frauen hier sich einen (guten) Kontakt zwischen Vater und Kind wünschen und sich auch darum bemühen. Sogar dann noch, wenn sich aus ihrer Schilderung massive Umgangsprobleme darstellen.

Kontakt über das Büro des Kinderschutzbundes Tel. 0951/ 28192 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. . Weitere Angebote und Veranstaltungen unter: www.alleinerziehende-bamberg.de.

Termine:
- Vortrag „Trennung was nun? – Folgen, Unterhalt, Umgang" mit Familienanwältin Petra Schuster, 3 Euro Unkostenbeitrag
- Elternkurs für Alleinerziehende (inkl. Kinderbetreuung) Freitag NM, Start im Herbst 2010 bei Interesse bitte melden und auf die Liste setzen lassen.
- 12. Juni, 10-12 Uhr, 1. Forum für Alleinerziehende im Mütterzentrum/Mehrgenerationenhaus mit Impulsvortrag „„Alleinerziehend – Jonglieren im Alltag und trotzdem mit den Kindern Spaß haben." Außerdem: Start einer Tausch- und Kontaktbörse für Alleinerziehende