Solo für zwei bis drei...

Single-Mütter erzählen aus ihrem Alltag

Solo-Mütter, Single-Eltern – das leicht vorwurfsvolle „alleinerziehend“ hat zwar immer noch nicht ausgedient. Aber viele der Ein-Eltern-Familien – auch das ein neuer Begriff – fühlen sich durch die Betonung des ‚allein’ stigmatisiert oder falsch definiert. Weil sie sich mit großem Einsatz ein funktionierendes Netzwerk aus Freunden und Familie aufgebaut haben und oft gar nicht ‚allein’ sind. Wie funktioniert ein Familienalltag mit nur einem Elternteil, der verantwortlich ist? Bambolino fragte Solo-Mütter nach ihrem Leben – und ließ sie für ihre ungeschminkten Erfahrungsberichte anonym erzählen.

 

Solo-Mutter (46 J.) seit elf Jahren mit zwei Töchtern (11 + 17 J.),
berufstätig in Teilzeit

Diese ausschließliche Zuständigkeit von der Butter auf dem Tisch bis zum Anschaffen der teuren Turnschuhe kostet soviel Kraft. Dauernd bin ich im Spagat, unser Leben zu organisieren mit ihrem Schulalltag, Vater-Besuchen und meiner Arbeit und daneben noch einfach ihre Mutter zu sein, die sie bei ihrer Entwicklung unterstützt und für sie ein Ohr hat. Zeit zum Auftanken bleibt kaum, und wenn ich unsere Alltagsabläufe im Kalender anschaue, dann fällt mir dazu nur der Begriff Stress ein, weil das alles eigentlich gar nicht zu schaffen ist. Das G8 ist für alle Familien schwierig, für Solo-Mütter ist es der Horror – wir haben weder für Mittagsbetreuung noch für Nachhilfe das Geld und so gehen die Nachmittage mit Lernen und Hausaufgaben rum, oft bis abends. Ich wünsche mir eine kostenlose Unterstützung – das kann doch nicht sein, dass ich das auch noch alleine tragen muss. Ohnehin muss ich ja immer präsent sein: Als ich mal für wenige Tage krankheitsbedingt in die Klinik musste, habe ich zwei Tage lang nur organisiert, dass meine Töchter gut aufgehoben und versorgt waren. Und dabei möchte ich ihnen doch das Gefühl geben, dass unser Leben so wie es ist, gut und schön ist, dass sie mir wertvoll sind. Sie sollen sich nicht als Belastung empfinden, sondern spüren, dass ich froh bin, dass es sie gibt. Diesen Anspruch habe ich immer im Kopf.

 

Solo-Mutter (38) mit zwei Söhnen (13 J. und 9 J.), getrennt seit über 1 Jahr

Mit unserem Leben (Kinder, meine Arbeit) komme ich gut klar. Auch in der 15-jährigen Beziehung war ich immer „alleinerziehend“. Allerdings habe ich es in der Beziehung als stressiger empfunden, weil ich da Erwartungen hatte, dass der Partner sich einbringt  – was nicht der Fall war. Er war immer „weg oder weg“ – beruflich, oder zu einem seiner Hobbys. Getrennt weiß man wenigstens, dass man für alles alleine zuständig ist. Ich denke auch die Kinder kommen gut klar - für sie hat sich nicht viel geändert, dafür hat der Stress zu Hause abgenommen. Ich genieße es, dass ich die wenigen Tage, die ich mal frei habe, alleine für mich nutzen kann, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Und ich finde es schön, mit meinem Söhnen gut auszukommen. Ich wünsche mir weniger dumme Kommentare wie: „Du brauchst einen neuen Mann.“ Meine Energie ziehe ich aus mir. Wichtig ist (wieder) zu lernen, was einem selber Spaß macht. Ich brauche z.B. in der Woche 2-3 Mal mein Sportprogramm, um mich zu entspannen - dann ist alles gut. Insofern bewältige und organisiere ich unseren Alltag allein gut, denn ich habe es immer getan. Man wächst hinein. Ich habe mein Studium mit Kind beendet und meine Selbstständigkeit aufgebaut und bis zur Geburt meines zweiten Sohnes gearbeitet und danach weiter. Das klappt schon alles!