Alles dabei für das Wunder der Geburt

Seit fünf Jahren entbindet Hebamme Angelika Kraus ausschließlich Hausgeburten

Hebamme Angelika KrausVieles ist möglich in unserer modernen Zeit – auch die Rückbesinnung auf die natürliche Geburt zuhause. Bambolino lässt zwei Mütter erzählen, die ihre Kinder so auf die Welt brachten und sprach mit Angelika Kraus, die als einzige Hebamme im Bamberger Raum ausschließlich Hausgeburten begleitet.

 

Das hölzerne Höhrrohr steckt neben den Mini-Ultraschall-Gerät, die Infusions-Utensilien neben der homöopathischen Apotheke. Wenn sich Angelika Kraus mit ihrer großen Hebammentasche zu einer anstehenden Geburt begibt, muss sie alles medizinisch Nötige dabei haben. Denn – wenn alles wunschgemäß verläuft, kommt dieses Baby im elterlichen Wohnzimmer auf die Welt. Seit ihrem Ausbildungsabschluss in der Uni-Klinik Tübingen arbeitet die 37-Jährige ausschließlich als Hebamme für Hausgeburten. 56 Babys hat sie so ins Leben geholfen, zwölf davon in Bamberg, wo sie das Angebot zur Hausgeburt seit 2008 als einzige Hebamme ausschließlich praktiziert. „Hausgeburten bieten nicht viele an, weil die Rufbereitschaft viel umfassender ist: Von der 37. Schwangerschaftswoche an muss ich praktisch jede Sekunde erreichbar sein“, berichtet Angelika Kraus. „Das ist anstrengend und auch einschränkend.“ So könne sie nur zwei Geburten in einem Monat betreuen, habe sich aber dennoch bewusst für diese besondere Variante ihrer Arbeit entschieden: „Für mich ist zuhause einfach mehr Raum für das Wunder der Geburt“ sagt sie etwas feierlich. Sehr sachlich wird Angelika Kraus jedoch, wenn sie Eltern ausführliche über das Erlebnis ‚Hausgeburt’ informiert. „Beide müssen sich mit dieser Entscheidung wohl fühlen.“ Sie benennt die nötigen Vorbedingungen, wie z.B. eine komplikationsfreie Schwangerschaft, schafft aber auch Vorurteile aus der Welt: „Für die Wohnung ist eine Hausgeburt kein Aufwand. Innerhalb einer halben Stunde ist alles wieder so sauber und aufgeräumt wie vorher.“ Entscheidend für eine gelungene Hausgeburt sei der Wunsch der Frau und das Bedürfnis, sich bei der Geburt zuhause am sichersten zu fühlen, erklärt die Hebamme. „Sobald die Eltern oder ich das Gefühl haben, irgendetwas passt nicht, verlegen wir die Geburt ins Krankenhaus, wo die Mutter parallel zur Hausgeburt immer angemeldet ist.“ In Bamberg war die Fahrt ins Klinikum bisher nur einmal nötig, weil sich das Kind nicht richtig eingedreht hatte und es zu einem Geburtsstillstand kam. In der Regel verliefen jedoch gerade Hausgeburten komplikationsfrei, weil die Entscheidungsfreiheit der Frau die beste Voraussetzung für ein hormonelles Fließen sei. „Die entspannte Atmosphäre und vertraute Personen unterstützen die Geburt ebenfalls positiv – wenn alle Beteiligten dahinter stehen!“, betont die Hebamme. Prinzipiell steht der Weg zur Hausgeburt allen Müttern offen – auch Erstgebärenden. Die zusätzliche Rufbereitschaft (50,- Euro pro Woche) müssen alle nicht-privat versicherten Eltern selbst bezahlen – nur eine gesetzliche Krankenkasse bietet dafür eine Pauschale. Doch ansonsten erfordere eine Hausgeburt kaum Vorbereitungen, versichert Angelika Kraus. „Es freut mich, dass die Nachfrage nach Hausgeburten mit meinem Angebot steigt, auch wenn der Anteil dieser Geburtsart nie sehr hoch sein wird.“  (keb)

Mehr Infos bei Angelika Kraus, Tel. 0951/25 144 19 oder per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 

Ruth (39 Jahre) mit Thaddeus (5), Raphaela (3), Valentina (8 Monate)

„Die ersten beiden Kinder hatte ich bereits ambulant entbunden. Daher nahm ich den Tipp Hausgeburt von meiner Ärztin begeistert auf. Mein Mann hatte da größere Bedenken. Wir luden unsere Hebamme Geli Kraus zum Erstgespräch ein – danach war er beruhigter und sagte, dass er die Entscheidung mir überlassen wolle. Mir hat besonders gefallen, dass von der Hebamme kein Druck ausging – sie hat mir immer das Gefühl gegeben, dass es auch in Ordnung sei, wenn ich mich kurz vorher noch für die Klinik entscheide. Als es dann um 3 Uhr morgens los ging, hatte ich erst Hemmungen: Kann man mitten in der Nacht anrufen? Telefonisch haben wir die ersten Anweisungen entgegen genommen. Nach zwanzig Minuten kam die Hebamme mit einer Kollegin zur Unterstützung. Es war alles sehr  entspannt – mein Mann war da, hat sich zwischendurch mal um meine kleine Tochter gekümmert, und als Valentina dann um 5.45 Uhr geboren war, kam mein Sohn und wollte auf eigenen Wunsch die Nabelschnur durchschneiden. Überhaupt habe ich es sehr genossen, dass ich so viel Zeit hatte. Wir hatten die Möglichkeit, unseren eigenen Rhythmus zu leben. Eigentlich war es für mich die schönste Art zu entbinden – ich bin nicht in irgendeinem Krankenhausbett hin- und hergefahren worden. Der Zauber der Geburt hat noch lange nachgewirkt.“

 

Natascha (37 Jahre) mit Nathan (1 1/2)

„Ich hatte mir während meiner ersten Schwangerschaft mehrere Kliniken angeschaut, aber irgendwie konnte ich mich damit nicht anfreunden. Als ich meiner Ärztin meine Bedenken mitteilte, empfahl sie mir ein Gespräch mit einer Hebamme, die auf Hausgeburten spezialisiert ist. Mein Mann war erst skeptisch, aber als ich nach dem Gespräch mit Geli Kraus ganz sicher war, dass das für mich der richtige Weg ist, unterstützte mein Mann mich voll und ganz. Das ist natürlich auch ganz wichtig! Geli kam drei Wochen vor dem errechneten Termin zu mir und sagte, dass nun die Rufbereitschaft beginne und somit der geplanten Hausgeburt nichts mehr im Weg stehe. Vermutlich hat mich das so entspannt, dass es just auch an diesem Tag los ging – nachts bekam ich die ersten leichten Wehen. Morgens um sechs habe ich dann die Hebamme angerufen, die um acht Uhr mit frischen Hörnchen und Erdbeermarmelade vor der Tür stand. Wir haben erstmal gemeinsam gefrühstückt. Mein Sohn wurde abends um 19 Uhr geboren – dass ich daheim war, hat mir in dieser langen Zeit sehr geholfen. Auch als Nathan da war, gab es kein hektisches Wiegen, Abnabeln, usw., sondern wir  hatten alle Zeit der Welt. Mein Mann und die zweite Hebamme haben Nathan gemeinsam gewaschen, während Geli sich um mich gekümmert hat. Auf jeden Fall empfehle ich jeder Frau, auf sich selbst zu hören und im Zweifelsfall alle Möglichkeiten der Information zu nutzen – eben auch ein Gespräch über eine Hausgeburt mit einer Hebamme. Ich werde auf jeden Fall mein zweites Kind im Sommer wieder so entbinden.“